Gestern bin ich um 1050 Uhr wieder in der Kaserne angekommen. Endlich! Ich habs geschafft! Und mit gutem Gewissen kann ich behaupten, dass das die härteste und anstrengenste Woche meines bisherigen Lebens war. Und zusammenfassend kann ich sagen, dass es nur noch eine Katastrophe war.
(Wem das zu viel zum lesen ist, ganz unten ist ne Kurzzusammenfassung)
Am Montag sind wir um 0845 Uhr losmaschiert, vorher noch den Rucksackabgewogen. Statt dem Minimum von 30 kg hatte meine ein Gewicht von 38 kg und ich konnte nichts mehr auspacken. Dazu kam noch die geladene Waffe mit 4 kg. Also konnte ich in aller Ruhe 42 kg den Berg raufschleppen. Okay. Also gingen wir los. Zuerst ging es 10 km an der Donau entlang, dann 20 km bergaufwärts zu unserem Truppenübungsplatz, wo wir unser erstes Lager aufschlagen wollten. Doch diese 30 km hattens wirklich in sich. Nach den ersten 10 km hatten schon die ersten zwei von unserem Zug aufgegeben, nach 20 km ist während dem Bergaufwärts schleppen einer Ohnmächtig am Boden zusammengebrochen und musste vom Sanitäter sofort ausgeschieden werden. Fünf Kilometer weiter hat der nächste Aufgegeben weil er einfach nicht mehr konnte. Und um 1600 Uhr sind wir dann endlich am Übungsplatz angekomen. Das Wetter war inzwischen einfach nur noch beschissen. Schneeregen und Sturm. Drecknass und verschwitzt haben wir dann unsere 2-Mann-Behelfszelte aufgestellt, Wacheinteilung getroffen, jeder eine aufzuwärmende Dose mit Gulaschsuppe bekommen und sind dann ins "Bett" gegeganen. Das Zelt hat nur leider während der Nacht kaum dicht gehalten, weshalb man da drinnen gelegen ist, gezittert vor Kälte hat und dazu noch komplett durchnässt war. Und in der Nacht hat dann auch mein Zeltkollege das Handtuch geworfen und auch aufgegeben. Wenigstens hat ich dann das enge Zelt für mich alleine. Um Mitternacht ging meine zweistündige Wache dann an, wo eh nichts passiert is, dann konnte ich mich nochmal zwei Stunden hinlegen und um 0400 Uhr mussten wir dann eh schon wieder alle aufstehen. Ingesamt hab ich aber maximal zwei Stunden Schlaf zusammenbekommen.
Dienstag. Im strömenden Regen mussten wir die Zelte abreißen, verpacken, schnell Zähne putzen und notdürftig rasieren und endlich den Rucksack ein wenig erleichtern. Wir durften paar Sachen auspacken. Um 0530 Uhr gings dann auch schon los. Maschiert wurde ab hier noch noch innerhalb der Gruppe, also die Neun Leute die wir da noch waren.
An dem Tag änderte sich der Regen auf reinen Schneefall, was einiges angenehmer war. Diese Alpenausläufer, an denen wir unterwegs waren, waren inzwischen schon mit Schnee bedeckt und es war der tiefste Winter. Wir mussten von hier an auch immer selber orientieren. Wir hatten immer Koordinaten von einem Punkt, wo wir dann eine Kiste gefunden haben wo die nächsten Koordinaten drinnen waren. Verlaufen hat sich unsere Gruppe Gott sei Dank niemals. Unterwegs waren einige Stationen zu bewältigen, zB irgendwelche Funkgeräte aufbauen, richtiges Verhalten bei einem Angriff, erste Hilfe, etc. Das faszinierende war nur, dass wir einfach nicht am Ziel angekommen sind. Wir sind maschiert, maschiert, maschiert... und nachdem wir dann schon 14 Stunden auf den Beinen waren und etwa 40 km durch brutalsten Gelände durch sind, kamen wir endlich am nächsten Truppenübungsplatz an, wo wir dann wieder Zelte aufschlagen konnten. Diesesmal aber bekamen wir auch richtige Gruppenzelte - Zelte, wo man mit der ganzen Gruppe gemütlich Platz hat und das beste daran: da drinnen ist ein Ofen, damit konnten wir das Zelt wunderbar auf Höllentemperatur anheizen. Nur dauert es Ewigkeiten, bis das Zelt komplett steht. Als wir damit fertig waren, gabs dann endlich ein vernüftiges Essen: Spaghetti. Um 2200 Uhr konnten wir dann auch wieder schlafen gehen. Die Nacht hab ichs, mit Wache schieben, schonmal auf etwa vier Stunden Schlaf gebracht.
Mittwoch. Als wir den Truppenübungsplatz Freistadt erreicht haben, wussten wir, dass wir am Wendepunkt angekommen sind. Nun gingen wir nichtmehr nach Norden weiter, sondern es ging wieder Richtung Süden - Richtung Heimat. Aber der Mittwoch war zuerst unser "Chill-Out" Tag, an dem wir bis zum Abend nicht maschieren mussten. Um 0600 Uhr aufstehen, wieder ein Blitz-Frühstück und Schnell-Körperpflege. An dem Tag gings dann nur mit Stationen dahin. Wir wurden vom Übungsplatz an mehere Plätze gebracht, wo wir diverse Aufgaben erfüllen mussten. Da war zB die Station wo wir 35 m eine Steilwand abseilen mussten, oder wo man mit dem MG eine gewissen Bahn durchlaufen muss, etc. Es ging halt den ganzen Tag so dahin. Um 19 Uhr hatten wir dann nochmal eine dreistündige Pause und Vorbereitung. Füße versorgen, Zeug zusammenpacken, noch was essen und dann ging der sogenannte "Marathon" los. Nachdem die Zelte abgerissen waren, alles verladen war, wir unsere Rucksäcke wieder auf dem Rücken hatten ging es um etwa 2300 Uhr wieder los mit maschieren.
Donnerstag. Zuerst ging es noch angenehm los. Der Schnellfall und der Stum sind etwas angenehmer geworden, wodurch das maschieren gleich etwas genehmer wurde. Um 0200 Uhr sind wir bei einem Punkt vorbei gekommen, wo wir warme Suppe bekommen haben. Davon gestärkt gings auch gleich wieder weiter. Doch ab da gings dann los, wovor wir schon Angst hatten dass es kommt: der Körper wollte nicht mehr. Bei jedem fingen an, dass die Füße derartigen schmerzten, dass es man kaum ordenlich gehen konnte, dann fingen die Knie an zu schmerzen, ebenso fing der Rücken an zu rebellieren, und bei einigen haben sich verstärkt Blasen am Fuß gebildet. Und nun war auch die Übermüdung zum spüren. Aber es half nichts. Da wir schon so weit gekommen waren, wollten wir nichtmehr aufgeben. Also schleppten wir uns weiter. Auch erwarteten uns noch paar Stationen mit Aufgeben, wie irgendwelche Lagepläne beurteilen, oder Stellungsskizzen anfertigen. Und da alle eben schon derartig angeschlagen waren, machten wir nochweniger Meter als wir ohnehin schon machten. Und da es dazu immer weiter bergaufwärts ging, gingen wir scheinbar Ewig dahin. Wir wussten dass uns am Ende der heutigen Etappe ein Gasthaus erwartete, doch kam es anscheinend nicht näher. Bis wir es dann um 1800 Uhr - nach etwa 19 Stunden Marsch und etwa 40 km Entfernung, endlich ankamen.
Körperlich war nun jeder am Ende. Aber wir hatten nur drei Stunden Pause dort. Zum Schlafen war da aber leider praktisch kein Platz. Aber immerhin gab es wieder was zu essen. Wir konnten es uns aussuchen, ob wir das Heeres-Essen wollten, oder ob wir (auf eigene Kosten natürlich) ins Gasthaus raufgehen. Und ich bin ins Gasthaus raufgegangen. Cordon-Bleu mit Pommes, dazu was zu trinken. Himmlisch. Das erste wirklich richtig gute Essen in dieser Woche. Bis wir aufgegessen haben, war schon die halbe Zeit vorbei. Wir haben uns dann noch so ein wenig ausgeruht, Füße ein wenig entlastet und um 21 Uhr ging dann auch die nächste und letzte Etappe los. Der "Zielsprint". Nachdem wir vom Essen gestärkt wieder ins Freie raus sind, hats inzwischen wieder so richtig schön zum schneien angefangen.
Freitag. Das Ziel war die Donau, wo wir dann selbige mit Pionier-Ruder-Booten übersetzen mussten, dann hatten wir es geschafft. Doch auf der Karte war die Donau noch weit weg. Verdammt weit weg. Für die bisherige Körperliche Überbelastung fast schon zu weit weg.
Und wieder ging es hauptsächlich bergaufwärts. Langsam wunderten wir uns, wie es möglich sein konnte, dass man 90% der Zeit bergaufwärts ging und fast nie abwärts. Anfangs kamen wir jedoch noch gut vorran, doch um 0100 Uhr war dann der Einbruch. Die Übermüdung der letzten Tage schlug nun voll zu. Ich bin teilweise eingeschlafen. Während dem maschieren. Man geht und kippt auf einmal einfach zur Seite weg. Des weiteren hatte jeder in der Gruppe schon Halluzinationen, wir sahen alle möglichen Sachen, während wir da im dunklen durch den Wald gegangen sind. Irgendwelche Leute, die gar nicht da waren.
Da merkt man einfach, dass man schon am Ende ist. Trotzdem. Einfach weiter gehen, es hilft eh nichts.
Die letzten Kilometer hatten wir dann nun endlich das Ziel vor Augen. Die Donau. Doch war sie noch ca. 7 km weit weg. Und die haben sich derartig in die Länge gezogen, dass es nur noch furchtbar war. Vom letzten Punkt bis zur Donau warens dann nur noch 2,5 km, doch für diese Strecke haben wir 1 ½ Stunden gebraucht, weil wir einfach nicht mehr schneller vorran gekommen sind. Doch dann waren wir endlich an der Donau. Die letzten 30 km waren auch bezwungen.
Wir waren immer zu sechst im Boot und kämpften uns dann gegen die brutale Strömung der Donau an. Nach ca. 20 Minuten wildes padeln, waren wir dann auch schon an der anderen Seite und haben es endlich geschafft!
Wir sind mit dem LKW zurück in die Kaserne und haben offiziell mit 1050 Uhr unser Ziel erreicht. Wir bekamen zwei Stunden Zeit um die Zelte zu putzen und unser Zeug auszupacken und dann hatten wir vier Stunden "befohlene Ruhe", wo wir schlafen mussten bevor wir heimfahren durften. Und endlich ins Bett zu kommen war ein echter Segen. Nach sechs Stunden Schlaf hab ich mich dann an die Heimfahrt gemacht.
(Kurzzusammenfassung und Schluß)
Bezwungene Strecke: etwa 140 km (Mo 30, Di 40, Do 40, Fr 30)
Ingesamt bezwungene Höhenmeter (nur bergaufwärts): 3500 Meter
Insgesamt von Abmarsch am Montag bis Ankommen am Freitag nur sechs Stunden geschlafen
Es hat eigentlich immer geschneit, außer Montag, wo es zusätzlich noch geregnet hat. Nur hier und da hats mal für zwei oder drei stunden mal aufgehört zu schneien.
Die Essensverpflung war unter aller Sau. Wir haben zwar pro Tag eine warme Mahlzeit bekommen, aber sonst haben wir immer nur so ein wenig Marschverpflegung bekommen, womit man kaum was anfangen konnte. Wer sich nicht von Haus aus selber was mitgenommen hat, war schon ordenlich im Defizit.
Ich bin einer der wenigen, die es geschafft haben keine Blase an den Füßen zu bekommen, dafür tun die Füße schrecklich weh, der Rücken ist absolut hinüber, die Knie wollen überhaupt nimmer, aber egal. Geschafft ist geschafft. Und wir haben in der Gruppe einheitlich gesagt, dass wir für kein Geld der Welt diesen Marsch wiederholen würden. 
Jedoch hab ich mir damit nun quasi meine nächste Beförderung im April 08 zum Zugsführer gesichert. Die Beförderung zum Unteroffizier im Juli/August kommt damit wieder ein Stück näher.
So, nachdem ich jetzt ein derartiges Ungetüm an Text geschrieben hab, hör ich lieber auf. Ich geh sowie nicht davon aus, dass sich das irgendjemand durchliest. 
Also bis dann, Olli