• Lebenszeichen

    Ich hab gerade spontanst und kurzfristig mal den Entschluss gefasst, meinen alten Blog hier wieder zu entstauben und mal ein kurzes Lebenszeichen von mir an die Welt da draußen zu senden.
    Wenn ich hier auf den Header gucke und "corporal göfla" lese, da muss ich mich eh wundern, wieso ich das noch nicht angepasst habe :D [edit: so, angepasst!] Aber whatever.

    Na gut. Ich weiß ja eigentlich gar nicht, wie viele Leute hier überhaupt tatsächlich noch reinschauen. Und die paar wenigen werden wahrscheinlich eh darüber bescheid wissen, was sich bei mir so getan hat...
    ..aber was hat sich eigentlich bei mir getan?
    Also mit Wirksamkeit von 1. August bin ich zum Wachtmeister befördert worden, aber das hab ich ja eh gebloggt. Seit dem läuft es beruflich eigentlich äußerst gut. Als ausgewachsener Unteroffizier wird man gleich ganz anders behandelt und aufgenommen als ein Korporal. Ich komm mit vielen Leuten besser aus als früher, das Arbeitsklima stimmt auch und bis auf die kleinen Standard-Streiterein ist momentan alles okay. Inzwischen hab ich auch mein eigenes kleines Büro ganz für mich alleine bekommen vor dessen Tür ein Schild wo die prolligen Aufschrift "FzUO StbKp: WEBER, Wm" steht (viel Spaß beim entschlüsseln was das heißt :P). Ansonsten ist momentan wirklich äußerst viel zu tun und ich hatte auch noch nicht so wirklich die Zeit mich in meinem Büro so in aller entspanntheit zu langweilen :D.

    Was geht privat? Uff... Also seit drei Monaten hab ich mir meine eigenen vier Wände in Salzburg gesucht und bin der Obhut meiner Eltern endlich entkommen. Das ist auch schon so ziemlich das aufregendste was sich bei mir getan hat. Ich bin noch immer alleinstehend und Kinder hab ich auch noch keine - zumindestens keine von dennen ich wüsste. Ansonsten verbring ich mein Leben momentan lieber etwas abseits des Computers.

    Im großen und ganzen kann ich sagen, dass ich sehr zufrieden mit meiner aktuellen Situation bin.

    So, das wars erstmal wieder von mir. Eventuell werd ich mal wieder öfters bloggen, wenns wieder was neues von mir zu berichten gibt.

    Bis demnächst,

    Olli

  • Wachtmeister Weber

    Nach 11 Monaten harter Arbeit hab ich es nun endlich zu meiner ersehten Beförderung zum Wachtmeister geschafft!
    Heute wurde unser Jahrgang feierlich verabschiedet. Hurra!

    Wachtmeister Weber

    Am Montag komme ich wieder zurück zu meiner Stammeinheit in Salzburg und dann wird erstmal geklärt, wie unser weiterer Werdegang aussehen wird.

  • Leistungen die kaum anerkannt werden

    - Lulu gehen
    - In den Urlaub fahren
    - Manchmal länger schlafen
    - Salz in die Wunde streuen
    - Essen
    - Lift rufen
    - Ein Buch (halb) lesen
    - Fernsehen
    - Sich über das TV-Programm ärgern
    - Speicheln
    - Das Alphabet auswendig aufsagen können
    - Einen Streikbrecher den Arm brechen
    - Die US-Außenpolitik kritisieren
    - Auf die Straßenbahn warten
    - Einen Kaktus verspotten
    - Ausgeborgte CDs zerkratzen
    - YouTube-Videos anschauen
    - Menschen beobachten wie sie an der Ampel warten
    - Bei einem Flugzeugabsturz applaudieren
    - Eulen nach Athen tragen
    - Wischgeräusche auf der Toilette aufzeichnen
    - Termine vergessen

    [Und nein! Ich weigere mich etwas sinnvolles zu bloggen!]

  • Ich war die längste Zeit Korporal...

    ...denn ich wurde am Dienstag befördert!

    April 04

    Rekrut (private)

    Oktober 04

    Gefreiter (private first class)

    April 05

    Korporal (corporal)

    April 08

    Zugsführer (master corporal)

    August 08 ?

    Wachtmeister (sergeant)


    Joar!

  • Zweiter Teil abgeschlossen, dritter Teil steht an.

    Für zwei Monate war ich jetzt gemeinsam mit fünf anderen Korporälen in Innsbruck stationiert, um dort als Ausbilder in einer Grundausbildung praktisch tätig zu werden, um zu sehen ob wir das, was man uns vorher begebracht hat, auch wirklich zur Anwendung kommt.
    Nunja, im Grunde kann ich einfach nur sagen, dass ich diesen zwei Monaten wohl aus mehreren Gründen hinterher trauern werde. Wir hatten erstklassige Unterkünfte - mehr Hotelzimmer als militärische Unterkünfte. Wir hatten erstklassiges Essen. Alle Kameraden in Innsbruck haben uns gut aufgenommen und ebenso gut behandelt. Und schlußendlich hatten wir einfach nur etlich viel Spaß, sind viel in Innsbruck herumgekommen und haben auch viele Leute kennen gelernt. Dafür hab ich auch verdammt viel Geld für Speiß und Trank aus dem Fenster geworfen :D

    Ab Montag sind wir wieder in Linz in der Akademie. Und das nochmal für ganze sieben Wochen. In diesem Abschnitt haben wir erstmal wehrpolitische Bildung und Heereskunde, was heißt, dass wir die ersten zwei Wochen wohl ausschließlich in diesem verdammten Lehrsaal verbringen werden. Dafür gehts dann weiter mit einer Abschlußübung, wo wir uns eine Woche lang den Hintern abfrieren werden. Dann ein Gefechtsschießen, wo wir uns abermals den Hintern abfrieren werden. Und schließlich die ganzen Abschlußprüfungen.

    Wenn alles glatt geht, kann ich mit gutem Gewissen am 4. April diesen Teil auch hinter mir lassen. Und danach geht es nochmal für vier Monate nach Wien und dann hätt ichs endlich hinter mir.

    Soviel mal wieder von mir,
    Grüße aus Salzburg, Göfla



  • Zeitloser Raum

    Heute traf mich eine Erkenntnis. Eine Erkenntnis, die so einfach wie erschreckend ist. Und obwohl mir diese Erkenntnis eigentlich schon immer in meinen tiefsten inneren verborgen war, wurde sie mir erst heute wirklich klar.
    Ich hasse Warteräume.

    Ein Warteraum ist ein Raum, dessen einziger Sinn darin besteht, dass man in ihnen wartet. Und da Warten eine Tätigkeit ist, die ich hasse, bleibt mir nichts anderes übrig, als den Hort des Wartens ebenso zu hassen.

    Warum ich das hier schreibe? Nunja, das hat eigentlich zwei Gründe:
    Der erste Grund ist der, dass ich heute zwei Stunden ohne jedliche Möglichkeit von Beschäftigung in einem Warteraum sinnlos verbringen musste.
    Der zweite Grund, der eigentlich der Hauptgrund ist, ist der, dass ich mal wieder etwas bloggen wollte.

    Und wo wir schon dabei sind... was soll ich sagen? Ich bin momentan äußerst fleissig und hab verdammt viel zu tun. Außerdem hab ich seit einigen Wochen schon eine derartige gute Laune, dass mir der Alltag gleich viel schöner vorkommt.

    Joar, das war eigetnlich auch schon wieder alles.
    Man hört von sich, Oliver

  • Erster Teil geschafft, zweiter Teil naht.

    Geschafft. Endlich. Unser erster Ausbildungsteil - sozusagen das erste Trimester - hab ich nun endlich hinter mich gebracht. Dienstag und Mittwoch waren die letzten Prüfungen.

    Was soll ich sagen. Die Theorieprüfungen fanden in den folgenden Fächern statt:
    - Wehrrecht
    - Verwaltungsverfahren
    - Verfassungsrecht
    - Dienst- und Besoldungsrecht
    - Ausbildungsmethodik
    - Psychologie
    - Erzieherische Maßnahmen

    Und das war einiges zum lernen. Und ich bin verdammt froh darüber, dass ich alle bestanden hab. Vor allem in Ausbildungsmethodik, sozusagen unser Hauptfach.
    Aber irgendwo finde ich das ganze witzig. Ich hab in der ganzen Schulzeit niemals so verbissen gebüffelt wie hier und jetzt. In der Schule wars wohl immer eher so, dass ich gelernt hab um eben nicht durchzufallen und jetzt lern ich, weil ich weiß dass es tatsächlich um meine Zukunft geht.
    Trotzdem hab ich gemerkt, dass ich mit theorethischen Stoffen einfach nimmer so viel anfangen kann, wie mit praktischen Ausbildungen. Aber wo wir schon dabei sind, praktische Prüfungen hab ich ja auch geschafft:
    - 2400 Meter Lauf
    - Hindernisbahn
    - Belastungsübung (der Marsch)
    und einige Unterrichte und praktische Ausbildungen, die ich durchführen musste.

    So, auf jeden Fall hab ich bisher alles geschafft, nun gehts ab nächster Woche weiter mit der zwei Monatigen praktischen Verwendung. Alle Kursteilnehmer werden in Österreich verteilt um dort als Gruppenkommandanten Grundausbildungen durchzuführen. Und so wurde ich, zusammen mit paar Kameraden, bis 18. Februar nach Innsbruck zugeteilt. Mal wieder eine willkommene Abwechslung, zu dem inzwischen recht öde gewordenen Linz.
    Nach der dieser Praxis kommen wir wieder bis April nach Linz, dann bin ich vier Monate noch in Wien, dann hab ich es geschafft...

  • Hass auf Hals

    Ich habs befürchtet. Ich bin relativ anfällig am Hals, das hab ich von meinem Bruder schon vererbt. Ich bekomm alle Momente lang mal wieder Halsschmerzen. Und da wir letzte Woche stundenlang bei eiskalten Wind und Schneefall durch die Gegend gelaufen sind, kams wies kommen musste...

    Am Montag Morgen bin ich schon mit Halsschmerzen in die Kaserne gefahren. Am liebsten wär ich lieber zu Hause geblieben, weil ich wusste, was mich erwartet. Montag und Dienstag standen bei uns unter dem großen Stern von Allentsteig - der größte Truppenübungsplatz Österreichs. Für dort war ein großes Gefechtschießen geplant. Und wie es nunmal so ist, war es ein muss da dabei zu sein. Also blieb mir nichts anderes übrig, als eine der Halsschmerzen-Lutschtabletten aus meiner Sammlung einzuwerfen und einfach mitzumachen.

    Und was soll ich sagen. Der Truppenübungsplatz Allentsteig wurde, zur Zeit des dritten Reichs von der Wehrmacht, unter anderem dafür hergenommen um für Stalingrad vorzuüben. Und wenn man einmal dort war, weiß man auch warum. Da wir durch Vorbereiten, Vorübung und Durchführen von unserem Gefechtsschießen die zwei Tage da oben eigentlich fast durchgehen in dieser klirrenden Kälte draußen waren, wurden meine Halsschmerzen auch nicht besser. Ganz im Gegenteil. Sie erweiterteten sich auf eine Erkühlung und leicht erhöhte Temperaturen.

    Heute stand am Dienstplan nur Rechtskunde, also den ganzen Tag nur im Lehrsaal hocken. Das hab ich noch mitgemacht. Aber morgen gehts wieder damit los, dauernd draußen an der frischen Luft herumzuschwirren. Darum hab ich kurzfristig beschloßen, mein Auto zu schnappen, heute nach Dienst nach Hause zu fahren und den Rest der Woche mit Krankenstand zu verbringen, da es mir momentan wichtiger ist, wieder gesund zu werden wenn wir unsere Prüfungen haben.

    Joar und so sitze ich auf meinem Bett mit einem Halstuch, trinke Zitronennektar und huste mir die Seele aus dem Leib. Morgen in der Früh muss ich meinen Spieß anrufen und zum Arzt gehen. Was mir zu Gute kommt ist, dass ich nicht der einzige bin, der wegen Verkühlung im Krankenstand ist. Das sind von unserem Zug (43 Mann) mit morgigen Datum wohl schon um die 20 Leute die den Rest der Woche auch zu Hause bleiben.

    Mit Hoffnung auf baldige Genesung und vielen Grüßen aus Salzburg,
    Göfla

  • Geschafft! Die härteste Woche meines Lebens

    Gestern bin ich um 1050 Uhr wieder in der Kaserne angekommen. Endlich! Ich habs geschafft! Und mit gutem Gewissen kann ich behaupten, dass das die härteste und anstrengenste Woche meines bisherigen Lebens war. Und zusammenfassend kann ich sagen, dass es nur noch eine Katastrophe war.
    (Wem das zu viel zum lesen ist, ganz unten ist ne Kurzzusammenfassung)

    Am Montag sind wir um 0845 Uhr losmaschiert, vorher noch den Rucksackabgewogen. Statt dem Minimum von 30 kg hatte meine ein Gewicht von 38 kg und ich konnte nichts mehr auspacken. Dazu kam noch die geladene Waffe mit 4 kg. Also konnte ich in aller Ruhe 42 kg den Berg raufschleppen. Okay. Also gingen wir los. Zuerst ging es 10 km an der Donau entlang, dann 20 km bergaufwärts zu unserem Truppenübungsplatz, wo wir unser erstes Lager aufschlagen wollten. Doch diese 30 km hattens wirklich in sich. Nach den ersten 10 km hatten schon die ersten zwei von unserem Zug aufgegeben, nach 20 km ist während dem Bergaufwärts schleppen einer Ohnmächtig am Boden zusammengebrochen und musste vom Sanitäter sofort ausgeschieden werden. Fünf Kilometer weiter hat der nächste Aufgegeben weil er einfach nicht mehr konnte. Und um 1600 Uhr sind wir dann endlich am Übungsplatz angekomen. Das Wetter war inzwischen einfach nur noch beschissen. Schneeregen und Sturm. Drecknass und verschwitzt haben wir dann unsere 2-Mann-Behelfszelte aufgestellt, Wacheinteilung getroffen, jeder eine aufzuwärmende Dose mit Gulaschsuppe bekommen und sind dann ins "Bett" gegeganen. Das Zelt hat nur leider während der Nacht kaum dicht gehalten, weshalb man da drinnen gelegen ist, gezittert vor Kälte hat und dazu noch komplett durchnässt war. Und in der Nacht hat dann auch mein Zeltkollege das Handtuch geworfen und auch aufgegeben. Wenigstens hat ich dann das enge Zelt für mich alleine. Um Mitternacht ging meine zweistündige Wache dann an, wo eh nichts passiert is, dann konnte ich mich nochmal zwei Stunden hinlegen und um 0400 Uhr mussten wir dann eh schon wieder alle aufstehen. Ingesamt hab ich aber maximal zwei Stunden Schlaf zusammenbekommen.

    Dienstag. Im strömenden Regen mussten wir die Zelte abreißen, verpacken, schnell Zähne putzen und notdürftig rasieren und endlich den Rucksack ein wenig erleichtern. Wir durften paar Sachen auspacken. Um 0530 Uhr gings dann auch schon los. Maschiert wurde ab hier noch noch innerhalb der Gruppe, also die Neun Leute die wir da noch waren.
    An dem Tag änderte sich der Regen auf reinen Schneefall, was einiges angenehmer war. Diese Alpenausläufer, an denen wir unterwegs waren, waren inzwischen schon mit Schnee bedeckt und es war der tiefste Winter. Wir mussten von hier an auch immer selber orientieren. Wir hatten immer Koordinaten von einem Punkt, wo wir dann eine Kiste gefunden haben wo die nächsten Koordinaten drinnen waren. Verlaufen hat sich unsere Gruppe Gott sei Dank niemals. Unterwegs waren einige Stationen zu bewältigen, zB irgendwelche Funkgeräte aufbauen, richtiges Verhalten bei einem Angriff, erste Hilfe, etc. Das faszinierende war nur, dass wir einfach nicht am Ziel angekommen sind. Wir sind maschiert, maschiert, maschiert... und nachdem wir dann schon 14 Stunden auf den Beinen waren und etwa 40 km durch brutalsten Gelände durch sind, kamen wir endlich am nächsten Truppenübungsplatz an, wo wir dann wieder Zelte aufschlagen konnten. Diesesmal aber bekamen wir auch richtige Gruppenzelte - Zelte, wo man mit der ganzen Gruppe gemütlich Platz hat und das beste daran: da drinnen ist ein Ofen, damit konnten wir das Zelt wunderbar auf Höllentemperatur anheizen. Nur dauert es Ewigkeiten, bis das Zelt komplett steht. Als wir damit fertig waren, gabs dann endlich ein vernüftiges Essen: Spaghetti. Um 2200 Uhr konnten wir dann auch wieder schlafen gehen. Die Nacht hab ichs, mit Wache schieben, schonmal auf etwa vier Stunden Schlaf gebracht.

    Mittwoch. Als wir den Truppenübungsplatz Freistadt erreicht haben, wussten wir, dass wir am Wendepunkt angekommen sind. Nun gingen wir nichtmehr nach Norden weiter, sondern es ging wieder Richtung Süden - Richtung Heimat. Aber der Mittwoch war zuerst unser "Chill-Out" Tag, an dem wir bis zum Abend nicht maschieren mussten. Um 0600 Uhr aufstehen, wieder ein Blitz-Frühstück und Schnell-Körperpflege. An dem Tag gings dann nur mit Stationen dahin. Wir wurden vom Übungsplatz an mehere Plätze gebracht, wo wir diverse Aufgaben erfüllen mussten. Da war zB die Station wo wir 35 m eine Steilwand abseilen mussten, oder wo man mit dem MG eine gewissen Bahn durchlaufen muss, etc. Es ging halt den ganzen Tag so dahin. Um 19 Uhr hatten wir dann nochmal eine dreistündige Pause und Vorbereitung. Füße versorgen, Zeug zusammenpacken, noch was essen und dann ging der sogenannte "Marathon" los. Nachdem die Zelte abgerissen waren, alles verladen war, wir unsere Rucksäcke wieder auf dem Rücken hatten ging es um etwa 2300 Uhr wieder los mit maschieren.

    Donnerstag. Zuerst ging es noch angenehm los. Der Schnellfall und der Stum sind etwas angenehmer geworden, wodurch das maschieren gleich etwas genehmer wurde. Um 0200 Uhr sind wir bei einem Punkt vorbei gekommen, wo wir warme Suppe bekommen haben. Davon gestärkt gings auch gleich wieder weiter. Doch ab da gings dann los, wovor wir schon Angst hatten dass es kommt: der Körper wollte nicht mehr. Bei jedem fingen an, dass die Füße derartigen schmerzten, dass es man kaum ordenlich gehen konnte, dann fingen die Knie an zu schmerzen, ebenso fing der Rücken an zu rebellieren, und bei einigen haben sich verstärkt Blasen am Fuß gebildet. Und nun war auch die Übermüdung zum spüren. Aber es half nichts. Da wir schon so weit gekommen waren, wollten wir nichtmehr aufgeben. Also schleppten wir uns weiter. Auch erwarteten uns noch paar Stationen mit Aufgeben, wie irgendwelche Lagepläne beurteilen, oder Stellungsskizzen anfertigen. Und da alle eben schon derartig angeschlagen waren, machten wir nochweniger Meter als wir ohnehin schon machten. Und da es dazu immer weiter bergaufwärts ging, gingen wir scheinbar Ewig dahin. Wir wussten dass uns am Ende der heutigen Etappe ein Gasthaus erwartete, doch kam es anscheinend nicht näher. Bis wir es dann um 1800 Uhr - nach etwa 19 Stunden Marsch und etwa 40 km Entfernung, endlich ankamen.
    Körperlich war nun jeder am Ende. Aber wir hatten nur drei Stunden Pause dort. Zum Schlafen war da aber leider praktisch kein Platz. Aber immerhin gab es wieder was zu essen. Wir konnten es uns aussuchen, ob wir das Heeres-Essen wollten, oder ob wir (auf eigene Kosten natürlich) ins Gasthaus raufgehen. Und ich bin ins Gasthaus raufgegangen. Cordon-Bleu mit Pommes, dazu was zu trinken. Himmlisch. Das erste wirklich richtig gute Essen in dieser Woche. Bis wir aufgegessen haben, war schon die halbe Zeit vorbei. Wir haben uns dann noch so ein wenig ausgeruht, Füße ein wenig entlastet und um 21 Uhr ging dann auch die nächste und letzte Etappe los. Der "Zielsprint". Nachdem wir vom Essen gestärkt wieder ins Freie raus sind, hats inzwischen wieder so richtig schön zum schneien angefangen.

    Freitag. Das Ziel war die Donau, wo wir dann selbige mit Pionier-Ruder-Booten übersetzen mussten, dann hatten wir es geschafft. Doch auf der Karte war die Donau noch weit weg. Verdammt weit weg. Für die bisherige Körperliche Überbelastung fast schon zu weit weg.
    Und wieder ging es hauptsächlich bergaufwärts. Langsam wunderten wir uns, wie es möglich sein konnte, dass man 90% der Zeit bergaufwärts ging und fast nie abwärts. Anfangs kamen wir jedoch noch gut vorran, doch um 0100 Uhr war dann der Einbruch. Die Übermüdung der letzten Tage schlug nun voll zu. Ich bin teilweise eingeschlafen. Während dem maschieren. Man geht und kippt auf einmal einfach zur Seite weg. Des weiteren hatte jeder in der Gruppe schon Halluzinationen, wir sahen alle möglichen Sachen, während wir da im dunklen durch den Wald gegangen sind. Irgendwelche Leute, die gar nicht da waren.
    Da merkt man einfach, dass man schon am Ende ist. Trotzdem. Einfach weiter gehen, es hilft eh nichts.
    Die letzten Kilometer hatten wir dann nun endlich das Ziel vor Augen. Die Donau. Doch war sie noch ca. 7 km weit weg. Und die haben sich derartig in die Länge gezogen, dass es nur noch furchtbar war. Vom letzten Punkt bis zur Donau warens dann nur noch 2,5 km, doch für diese Strecke haben wir 1 ½ Stunden gebraucht, weil wir einfach nicht mehr schneller vorran gekommen sind. Doch dann waren wir endlich an der Donau. Die letzten 30 km waren auch bezwungen.
    Wir waren immer zu sechst im Boot und kämpften uns dann gegen die brutale Strömung der Donau an. Nach ca. 20 Minuten wildes padeln, waren wir dann auch schon an der anderen Seite und haben es endlich geschafft!
    Wir sind mit dem LKW zurück in die Kaserne und haben offiziell mit 1050 Uhr unser Ziel erreicht. Wir bekamen zwei Stunden Zeit um die Zelte zu putzen und unser Zeug auszupacken und dann hatten wir vier Stunden "befohlene Ruhe", wo wir schlafen mussten bevor wir heimfahren durften. Und endlich ins Bett zu kommen war ein echter Segen. Nach sechs Stunden Schlaf hab ich mich dann an die Heimfahrt gemacht.

    (Kurzzusammenfassung und Schluß)
    Bezwungene Strecke: etwa 140 km (Mo 30, Di 40, Do 40, Fr 30)
    Ingesamt bezwungene Höhenmeter (nur bergaufwärts): 3500 Meter
    Insgesamt von Abmarsch am Montag bis Ankommen am Freitag nur sechs Stunden geschlafen
    Es hat eigentlich immer geschneit, außer Montag, wo es zusätzlich noch geregnet hat. Nur hier und da hats mal für zwei oder drei stunden mal aufgehört zu schneien.
    Die Essensverpflung war unter aller Sau. Wir haben zwar pro Tag eine warme Mahlzeit bekommen, aber sonst haben wir immer nur so ein wenig Marschverpflegung bekommen, womit man kaum was anfangen konnte. Wer sich nicht von Haus aus selber was mitgenommen hat, war schon ordenlich im Defizit.
    Ich bin einer der wenigen, die es geschafft haben keine Blase an den Füßen zu bekommen, dafür tun die Füße schrecklich weh, der Rücken ist absolut hinüber, die Knie wollen überhaupt nimmer, aber egal. Geschafft ist geschafft. Und wir haben in der Gruppe einheitlich gesagt, dass wir für kein Geld der Welt diesen Marsch wiederholen würden. :D

    Jedoch hab ich mir damit nun quasi meine nächste Beförderung im April 08 zum Zugsführer gesichert. Die Beförderung zum Unteroffizier im Juli/August kommt damit wieder ein Stück näher.

    So, nachdem ich jetzt ein derartiges Ungetüm an Text geschrieben hab, hör ich lieber auf. Ich geh sowie nicht davon aus, dass sich das irgendjemand durchliest. :D

    Also bis dann, Olli

  • Es stehen Schmerzen, Kälte, kaputte Füße, deformierter Rücken, Übermüdung, Schweiß und vieles mehr vor der Tür!

    Letzte Woche hatten wir ja unsere zweite Sportwoche. Bei dem Glück, das wir immer haben, hatte es natürlich die ganze Woche ein Sauwetter und wir waren bei diesem Sauwetter auch immer draußen. Und wie auch letztes mal, hatten wir von Montag früh bis Freitag Nachmittag nichts anderes als Sport. Viel neues gelernt haben wir nicht, es war mehr eine auffrischung der ersten Woche. Diese Sportwoche ging es auch nicht darum, dass wir neues Wissen vermittelt bekommen, sondern dass wir das erlernte an anderen weiter ausbilden. So sind haben wir eben Ausdauertraining, Kraftzirkel, Funktionsgymnastik, Hindernisbahn und vieles mehr ausbilden müssen. Der Muskelkater sitzt auf jeden Fall noch.

    Aber was mich momentan mehr beschäftigt, ist die nächste Woche. Denn nachdem ich es schon jahrelang mit ehrfurcht weit vor mir am Horizont belächeln konnte, ist es nun endlich so weit. Unsere Belasungsübung. Einer der Schlüsselpunkte überhaupt.
    Aussehen wir das ganze so, dass wir am Montag Morgen mit etwa 40 kg Gepäck pro Mann beginnen. Wir maschieren zum Truppenübungsplatz Treffling (ca. 30 km Marschstrecke). Dort werden wir dann unsere Zelte aufbauen, was futtern und den nächsten Tag vorbereiten. Das heißt auch, dass wir das Gewicht unserer Rucksäcke um etwa 10 bis 15 kg reduzieren können. Am Dienstag werden wir unsere Zelte abreißen, und weiter bis nach Freistadt maschieren (ca. 40 km Marschstrecke). Auch diesesmal wieder Zelte aufstellen und was essen, übernachten. Am Mittwoch haben wir tagsüber sogenannten Stadtionsbetrieb, wo wir am Übunsplatz diverse Stadtionen durcharbeiten müssen (Abseilen, ABC-Selbstschutz, Waffendrill, etc), am Abend noch eine oder zwei Stunden rasten, dann gehts noch am Mittwoch Abend weiter. Wir maschieren etwa 24 Stunden lang auf eine Strecke von ca. 40 km und mehreren Zwischenstationen (Kontrollpunkt aufbauen, etc). Dann haben wir kurze Rast in einem Gasthof, wo wir ca. drei bis vier Stunden lang essen, duschen, Weh-Wehchen versorgen oder schlafen können. Dann gehts in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nochmal 20 km bis zur Donau, wo wir Freitag Vormittag ankommen sollten. Dort müssen wir dann die Donau mit Pionier Booten übersetzen und gehen schließlich noch vier oder fünf Kilometer bis zum Zielpunkt, wo uns der LKW abholen wird.

    Also. Eine gesamte Marschleistung von ca. 135 km, je nachdem ob wir uns verlaufen oder nicht.

    Und das ganze eben mit Übermüdung, Kälte, Anstrengung und Schmerzen verbunden ist, muss man sich auch etsprechend vorbereiten. Ich war heute einkaufen und hab meine ganzen Fachkenntnisse über extreme Belastungen ausgespielt. Und ich hab so einiges eingekauft. Im Sanitätsbereich: Blasenpflaster, Leukotape, Sprühpflaster, Desinfektionsmittel, Volteren-Gel, etc... Und im Bereich der Verpflegung: Power-Bar-Müsliriegel, Power-Bar-Gel, normale Müsliriegel, Schokolade, Traubenzurücken, isotonische Brausetabletten, Trockenverpflegung, Wurst, und vieles mehr.
    Und das war glaub ich das erste mal, dass ich beim Essenkaufen Nährwerttabellen genau angesehen hab. Und dafür hab ich auch wieder einen Haufen Kohle verpulvert, aber das is es mir wert.
    Jetzt muss ich nur noch schauen, dass ich das ganze Zeug auch irgendwie in den Rucksack noch reinbringe :D

    Am Sonntag Abend fahr ich nach Linz in die Kaserne, pack mein Zeug dort in aller Ruhe zusammen und dann gehts los. Ich hoffe auch, dass das Wetter irgendwie mitspielen wird. Bisher siehts nicht danach aus, mit Sturm und Schnee.

    Jo, das wars mal wieder soweit von mir. Drückt mir die Daumen, denn wenn ich den Marsch versau, dann war alles bisherige praktisch für umsonst.

    Also bis dann, Olli

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